seedandstory.de | Was ist eigentlich ein Gemüseretter? Ein Interview mit etepetete

Was ist eigentlich ein Gemüseretter? Ein Interview mit etepetete

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Gemüseretter werden

Bereits im Herbst letzten Jahres bekam ich eine Anfrage von etepetete, ob ich nicht mit ihnen zusammen arbeiten wolle. Etepetete ist ein Unternehmen, welches online Obst- und Gemüsekisten in Bio-Qualität verkauft und sich auf die Fahnen geschrieben hat, alles, was nicht einer gewissen DIN-Norm für Lebensmittel entspricht, vor der Vernichtung zu retten und weiter zu verkaufen.

Meine erste Reaktion war ein klares Nein. Da ich überhaupt nicht auf die Idee kommen würde, online Lebensmittel zu bestellen – und diesbezüglich auch so einige Bedenken habe – kam mir eine solche Kooperation ziemlich unpassend vor. Doch dann dachte ich: warum die Gelegenheit nicht beim Schopfe packen und mal selbst ausprobieren, was eigentlich dran ist am Gemüseretter-Konzept, an online gelieferten Obst- und Gemüsekisten und ob das alles wirklich so nachhaltig ist, wie es verkauft wird? Ich habe also zugesagt, eine Kiste zugeschickt bekommen und dem Team ein paar Fragen gestellt.

Eine gemischte Familienkiste

Uns wurde eine gemischte Familienkiste zugestellt, das bedeutet, dass sowohl Gemüse- als auch Obst enthalten war.  Auf dem Foto könnt Ihr den gesamten Inhalt sehen. Auf der Box ist angegeben, dass die Kiste für eine Familie um die 3-4 Personen gedacht ist.

Folgende Dinge haben wir daraus gekocht/zubereitet:

  • Rotkohlsalat mit Grantapfelkernen
  • Hähnchencurry mit Ananas und Knoblauch*
  • Smoothie und Schulobst aus den Früchten
  • Rinderbrühe mit Lauch und Möhren
  • Pasta mit Avocado-Chili-Frischkäsecreme*
  • Ofengemüse bzw. Rohkost zum Snacken oder als Salat
  • Humus aus Süßkartoffel und Rote Beete

Weiter unten findet Ihr für die mit einem Sternchen gekennzeichneten Gerichte das Rezept.

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Lassen wir aber doch zunächst etepetete selbst erstmal zu Wort kommen! Herzlichen Dank an dieser Stelle noch einmal für das Beantworten meiner Fragen.

Interview

Auf Eurer Seite liest man unter „Wer wir sind“, dass Ihr viel Grün hinter den Ohren habt. Was sollte man denn noch über Euch wissen? Stellt Euch doch bitte ein wenig genauer vor: wer seid Ihr und wo kommt das ganze Grün her?

etepetete wurde 2014 von Carsten Wille, Chris Hallhuber, und Georg Lindermair in München gegründet. Die drei Freunde, die sich bereits aus der Schulzeit kennen, hatten schon früh ein Interesse daran, im E-Commerce tätig zu werden und erkannten eine Marktlücke für Bio-Produkte online: Die Grundidee für etepetete war geboren.

Die Idee, Gemüse unabhängig von äußeren Normen zu verwerten ist ja eigentlich eine völlig Naheliegende. Und trotzdem klingt sie revolutionär, weil unsere Norm mittlerweile Äpfel, Birnen und Möhren sind, die kugelrund, schnurgerade oder perfekt symmetrisch gewachsen sind. Was hat Euch motiviert, mit diesem „Unsinn“ zu brechen?

Lebensmittel zu vernichten ist so gar nicht nachhaltig, dagegen wollen wir vorgehen und setzen uns das Ziel den Markt für online Bio-Gemüse und -Obst zu revolutionieren – hin zu mehr Nachhaltigkeit. Denn ein erheblicher Teil einer Ernte bleibt ausschließlich aufgrund seines Aussehens auf dem Feld liegen, wird vernichtet oder zur Energiegewinnung zweckentfremdet. etepetete hat zusammen mit einem Netzwerk an Bio-LandwirtInnen ein Auffangbecken für extravagant aussehendes Obst und Gemüse geschaffen.

Inwieweit, würdet Ihr sagen, hat das Prinzip, nur genormtes Gemüse und Obst präsentiert zu bekommen, unser Essverhalten verändert?

Dadurch, dass wir es durch diese Normen gewohnt sind, nur „perfektes“ Gemüse und Obst zu sehen und auch zu essen, kommt oftmals der Gedanke auf, dass unförmiges / krummes / zu großes / zu kleines Gemüse bzw. Obst weniger gut oder lecker sein könnte. Dass das nicht so ist möchten wir mit unserer Mission beweisen.

Krummes Gemüse ist ja das eine – Obst das andere. Wie geht verfahrt Ihr hier? Denn man kann bei etepetete ja auch reine Obstkisten bestellen – und die sind doch sicher nicht nur saisonal-regional gefüllt, oder?

Du hast Recht, Obst ist oft exotisch und daher nicht regional bzw. saisonal. Dennoch wird oft Ware, die sich bereits in Deutschland befindet, wegen diverser Gründe von Supermärkten abgelehnt (teilweise wirklich absurd, z.B. wurden einmal Mangos abgelehnt, weil ein kleiner Sticker draufgeklebt war). Dann haben wir die Chance, diese Produkte abzunehmen. Zudem ist der Handel mit frischen Lebensmitteln ist generell überregional, da die Nachfrage auch bei uns über die nur „heimischen“ Produkte hinaus geht, sehen wir es auch als unsere Aufgabe den Kunden die gewünschte Vielfalt zu bieten. Außerdem macht es teilweise sogar ökologisch Sinn Produkte aus dem Ausland zu kaufen, da die Anbaubedingungen dort besser sind als hier.

Apropos saisonal: auf Eurer Website liest man, dass Ihr jeden Hof, mit dem Ihr zusammen arbeitet, selbst kennt und die Ware dort abholt, richtig? Heißt das, Euer Angebot ist auch immer stark saisonal geprägt?

Unser Einkaufsteam kennt unsere Landwirte persönlich; besucht sie auf ihren Höfen und lernt, wie sie arbeiten. So kann dafür gesorgt werden, dass wir unseren Kunden Transparenz gewährleisten können. Die Ware wird allerdings zu unserer Halle geliefert, abholen wären in diesen Mengen logistisch nicht mehr möglich.

Bezüglich der Saisonalität wird immer darauf geachtet, Produkte die in Deutschland Saison haben zu bevorzugen. Im Winter – wie du ja sicher auch weißt – ist die Auswahl aber wesentlich kleiner, was dann dazu führt, dass auf Produkte zurückgegriffen wird, die aus anderen Regionen kommen.

Meine Einschätzung

Menge

Und was denke ich nun über die ganze Sache? Das Offensichtliche zuerst: für eine 5-köpfige Familie ist so eine Kiste viel zu klein (auch, wenn die Liste an Gerichten vielleicht nicht zwingend danach aussieht…). Tatsächlich weiß ich nicht mal, wie man mit 3-4 Personen damit hinkommen soll, wenn täglich Obst und Gemüse auf dem Speiseplan steht (was es bei uns tut). Das bedeutet, dass entweder der ideale Kunde ein vollkommen anderer sein müsste (beispielsweise Familien, die mehr Zeit außer Haus als zu Hause verbringen und dadurch höchstens eine gemeinsame Mahlzeit zu Hause zu sich nehmen) oder aber das Essverhalten beinhaltet generell eher wenig Obst und Gemüse. Oder aber, man kauft noch ergänzend dazu ein. Dann müsste man jedoch den Sinn einer solchen Box im normalen Alltagsgeschehen hinterfragen.

Auswahl und Verpackung

Die Auswahl unserer Box war in Ordnung, schade ist aber doch, dass man es nicht selbst zusammen stellen kann. Hinzu kommt: vor Ort hätte ich wesentlich mehr heimische und saisonale Produkte als Südfrüchte gekauft (mehr Äpfel, Kartoffeln etc.). Aber wir konnten trotzdem alle Lebensmittel verwenden. Dass es Bio-Produkte sind, finde ich toll – obwohl ich im Alltag bei weitem nicht alles bio kaufe (wenn ich es stattdessen zum Beispiel vom Bauern bekomme, der es hier auf dem Feld ganz traditionell anbaut). Verpackt waren alles übrigens in einem Karton aus recycelter Pappe, vollkommen ohne Plastik. Die Holzwolle haben wir einfach als Anzünder für den Ofen benutzt ;-).

Versand vs. Nachhaltigkeit

Über Lebensmittelverschwendung lässt sich im Netz eine ganze Menge recherchieren und gerade für Deutschland ist das ein riesiges Thema. So gesehen empfinde ich den Ansatz, Lebensmittel, die vollkommen in Ordnung sind und eigentlich ganz normal (aber eben nicht genormt) aussehen, vollkommen nachvollziehbar. Nichts anderes kaufe ich, wenn ich hier vor Ort auf den Wochenmarkt gehe. Mir ist klar, dass so ein Angebot nicht jeder zur Verfügung hat (vor allem in ballungsreichen Gebieten). Aber genau dort sitzt für mich die Krux. Denn obwohl mit der Komplettverwertung von Obst und Gemüse jede Menge Ressourcen gespart werden (von den eigentlichen Lebensmitteln mal abgesehen, braucht man keinen Dünger, weniger Wasser, weniger Einsatz, das Feld zu bestellen etc.), kann es einfach nicht nachhaltig sein, wenn Lebensmittel erst 1.300 km zurücklegen müssen, bevor sie bei mir in der Küche landen. Denn alles, was heimisch und saisonal ist, kann ich auch vor Ort kaufen. Und auch Südfrüchte haben es bis zu einem Großmarkt geschafft, der näher liegt als München, und sollten nicht noch einmal quer durch die Republik gekarrt werden.

Preis

Ich sag es ganz ehrlich: mir ist die Box am Ende viel zu teuer. Wenn ich für 30,- Euro auf dem Wochenmarkt einkaufe, habe ich mehr als das Doppelte im Korb. Wie schon weiter oben geschrieben: das Meiste ist nicht Bio, dafür direkt vom Erzeuger vor Ort. Natürlich fallen für so ein Unternehmen Kosten an, die umgelegt werden müssen. Verpackung, Versand, Lagerung, Mitarbeiter, Management – vollkommen verständlich. Trotzdem möchte ich das Geld lieber direkt in den Erzeuger bzw. das Lebensmittel investieren.

Fazit

Ich freue mich sehr, dass ich diese Kooperation eingehen und mir so wirklich ein eigenes Bild verschaffen konnte. Die Mission, die sich etepetete auf die Fahnen geschrieben hat, kommt für mich nicht ohne kritische Gegenfragen aus (wie ist das beispielsweise mit den Höfen, mit denen fest zusammen gearbeitet wird: werden Lebensmittel dort normalerweise tatsächlich aussortiert und weggeworfen? Denn wo nichts verschwendet wird, kann auch nichts gerettet werden…). Trotzdem ist es enorm wichtig, dass sich im Bewusstsein, was Lebensmittel eigentlich sind und vor allem, welchen Wert sie besitzen, grundlegend etwas ändert! Insofern ist ein Bestreben wie das von etepetete sicherlich beachtenswert.

Zu guter Letzt möchte ich Euch noch zwei Rezepte hier lassen – wie ich oben schon versprochen habe. Ich habe bewusst keine Mengenangaben dazu geschrieben, da man das ganz einfach nach gewünschter Personenzahl und Würze variieren kann.

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Hähnchencurry mit Ananas, Knoblauch und karamellisiertem Sesam

Zutaten
  • Zwiebel
  • Ananas
  • Zitrone
  • Knoblauch
  • Salz, Pfeffer
  • Paprika edelsüß
  • Kurkuma
  • Hähnchen
  • Kokosmilch
  • Speisestärke
  • Sesam
  • brauner Zucker
Zubereitung
  • Zwiebel und Knoblauch würfeln, in ein wenig Öl anschwitzen (wenn Ihr es mögt gern Sesamöl)
  • Hähnchen hinzufügen, kurz und scharf anbraten, dabei mit Salz und Pfeffer würzen, einen Schuss Zitronensaft hinzugeben
  • Speisestärke darüber sieben, alles verrühren
  • Kokosmilch hinzufügen und das Hähnchen darin weich ziehen lassen, Kurkuma und Paprika hinzugeben
  • Kokosmilch etwas einkochen lassen
  • Ananas klein schneiden und kurz vor Ende untergeben
  • nochmals mit Salz, Pfeffer und evtl. einem Schuss Zitronensaft nachwürzen
  • Sesam mit braunem Zucker in einer Pfanne karamellisieren, nach Servieren über das Curry streuen

Wir haben dazu Hirse gegessen. Natürlich passt auch Reis hervorragend dazu (wir hatten nur keinen da ;-)).

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Avocado-Creme mit Chili und Frischkäse

Zutaten
  • Avocado
  • körniger Frischkäse
  • Doppelrahmfrischkäse
  • Zitrone
  • 1 frische Chilischote
  • Olivenöl mit Kräutern
  • Salz, Pfeffer
Zubereitung

Avocado schälen und entkernen. Zitrone auspressen. Chili entkernen und ganz klein hacken.

Alles in einen Mixbecher werfen und pürieren. Von den Mengen müsst Ihr einfach schauen. Ich habe zwei Avocados genommen (sie waren nicht so groß), einen Becher körniger Frischkäse und ungefähr einen halben Becher normalen Doppelrahmfrischkäse.

Die Creme kann man für Wraps, Tacos, Tortillas, aber auch zu Pasta (extrem lecker!) und einfach aufs Brot essen.

Ich wünsch Euch viel Freude beim Kochen,

Eure Carolin

P.S.: Wenn Ihr Euch selbst ein Bild von so einer Box machen möchtet, dann könnt Ihr mit dem Code SEEDANDSTORY 5,- Euro auf Eure erste Bestellung sparen :-).


Offenlegung | Etepetete hat mir eine Familienbox kostenlos zugeschickt, weswegen dieser Beitrag zu Beginn als Werbung gekennzeichnet wird. Eine weitere Bezahlung erfolgte nicht. Meinung und Inhalt sind wie immer meine eigenen und unbeeinflusst.

  1. Vielen Dank für diesen informativen Artikel. Ich habe schon verschiedenen Fotos und Kurzberichte zu den Gemüseretter-Kisten auf Instagram gesehen und darüber nachgedacht, ob das auch ein Konzept für uns sein kann. Wir leben in einer ähnlichen Situation wie ihr – Kleinstadt, fünf Personen (davon zwei Erwachsene und zwei Pubertiere ;)) und einmal am Tag gibt es eine selbst gekochte Mahlzeit für alle. Es gibt sicher Familien, für die die Kiste eine gute Sache ist. Die sollen sie gerne bestellen und sich daran erfreuen. Für uns passt es halt nicht und das hat mir dein Bericht bestätigt.

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