Familie und Beziehung

Wer wir sind und was wir brauchen – meine Ortsbestimmung zum Beginn des neuen Jahres

8. Januar 2019
seedandstory.de | Wer wir sind und was wir brauchen - meine Ortsbestimmung zum Beginn des neuen Jahres

„Du musst auch mal loslassen können.“ „Es ist so wichtig, dass Ihr Zeit als Paar miteinander verbringt.“ „Eure Kinder sind nicht selbständig genug, das tut ihnen nicht gut.“ Diese und noch tausend Sätze mehr habe ich in den letzten Jahren über mich, meine Kinder und uns als Familie gehört. Sätze, in denen andere sich ziemlich sicher darüber waren, was wir brauchen und wer wir sind. Und vor allem: dass sie es besser wüssten als wir.

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Wer wir sind und was wir brauchen

Wer wir sind und was wir brauchen stimmt nicht selten nicht mit dem über ein, was andere bereit sind, uns zu zu gestehen. Sei es, weil sie diese Lebensart nicht kennen oder gutheißen oder weil sie vollkommen gegenteilige Erfahrungen gemacht haben. Erst neulich habe ich mich gefragt, warum eine Kollegin so vehement der Meinung war, dass ich mein Kind mehr sich selbst überlassen müsse – obwohl sie weder mich noch mein Kind noch unsere Familiensituation kennt. Weil sie es selbst als richtig erfahren hat? Oder diese Erfahrung vor sich selbst rechtfertigen musste? Ich habe keine Antwort darauf.

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Wo geht es hin?

Das hinter uns liegende Jahr war eins, in dem wir immer und immer wieder gefragt haben: wer sind wir und was brauchen wir? Nicht nur, weil es sich nun mal wesentlich leichter und glücklicher lebt, wenn man diese Frage beantworten kann. Sondern vor allem auch, um zu wissen: wo geht es hin? Zu wissen, wer man ist und was man als Familie braucht, ist für mich ein wichtiger, wenn nicht gar essenzieller Unterbau für das, was man als Familienvision formulieren könnte. Es bestimmt den Weg, den man beschreiten möchte und sorgt für das richtige Ausrüstungszeug, während man läuft – um mal im Bild zu bleiben.

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Family Over Engineering

Ich habe viel über die Tendenz nachgedacht, dass Familie heute etwas ist, was man noch vor der Geburt des ersten Kindes „raus haben“ muss. In einem Gespräch mit einer lieben Bloggerkollegin fiel neulich der Begriff „over-enginerring“. Man ist keine Familie mehr, man hat sie. Weswegen man auch permanent damit beschäftigt ist, diese Aufgabe zu optimieren. Ob mit pädagogischen Konzepten, dem Druck, eine möglichst nahe und konstante Bindung aufzubauen oder der Vorstellung einer möglichst wertvollen, perfekten Kindheit, von der nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern zehren – all das hält uns nicht nur ziemlich beschäftigt, es lässt vor allem auch keinen Raum für Fehler und Wachstum.

Wir werden mit pinteresken Grafiken, Blogposts und ganzen Social Media-Kanälen zugebrüllt, die uns sagen, was man als werdende Eltern wirklich braucht; welche Gegenstände, Bücher, Möbel, Kleidungsstücke, Spielzeuge… in keinem Kinderzimmer und in keiner Familie fehlen sollten. Geprüft von anderen Eltern, die doch aber Experten für genau eine Familie sind: nämlich ihre eigene.

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Familie sein und werden

Wenn man Familie sein kann (anstatt sie zu haben), dann kann man sie auch werden. Man kann sich entwickeln, hat die Zeit, sich zu finden, Dinge zu verändern, zu reflektieren. Man kann in seiner Aufgabe wachsen, anstatt sie von Anfang an „richtig“ zu machen. Man hat Zeit, den Weg, also die Vision, als Familie kennen zu lernen, sich darauf einzulassen. Zu prüfen, wie man mit unwegsamem Gelände umgehen möchte oder überhaupt kann. Man kann neue Sichtweisen oder Erfahrungen tatsächlich implementieren, weil sie im Laufe des Weges bestehen müssen – sie bleiben nicht nur ein Trend, bei dem man sich ständig fragt: warum bekomme ich es nicht besser hin? Oder: wann soll ich das eigentlich noch alles in meinen Alltag integrieren?

Familienvision

Jede Familie ist anders. Einzigartig. Natürlich verbinden uns alle grundlegende Elemente und natürlich kann uns der Austausch darüber motivieren und ermutigen. Aber sind wir mal ehrlich: wie sehr hilft uns der Rhythmus, die Werte, das System fremder Menschen wirklich? Wie können wir denn annehmen, dass die Vision einer anderen Familie für uns selbst einfach übertragbar ist? Oder noch schärfer gefragt: kann eine nicht vorhandene Vision einfach durch passende Produkte ersetzt werden?

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Wer wir sind und was wir werden

…mit diesem Gedanken starten wir in das neue Jahr. Vor uns liegen so viele ungelöste Fragen, aber das ist in Ordnung. Wir wissen, wer wir sind und auf was wir uns als Familie gründen. Wir kennen unsere Vision und trotzdem heißt das überhaupt nicht, dass wir „alles raus haben“ – im Gegenteil. Das beruhigt mich sogar mittlerweile enorm, weil ich gelernt habe, dass wir das auch gar nicht müssen.

Ich freue mich auf das neue Jahr, auf all die Gabelungen, die unser Weg mit sich bringen wird und die wir noch nicht kennen. Mit Hinblick auf 2018 hatte ich hier auf dem Blog geschrieben, dass ich sehr gespannt auf die Tasche voller Geschichten bin, die mir das hinter mir liegende Jahr beschert haben würde. Wenn ich die Tasche heute, gemeinsam mit meinem Hut, an den Haken hänge, und all die Geschichten auspacke, dann sehe ich, wie sie alle – die großen und kleinen, guten und anstrengenden, spannenden und geruhsamen – widerspiegeln, wer wir sind. Uns erzählen, was wir brauchen. Und 365 Tage lang den Weg bereitet haben zu dem, was wir werden.

Ich wünsche Euch ein Jahr voll mit Wegsteinen, die Euch helfen, Eure Vision zu bauen, Euren Weg zu gehen und herauszufinden, wer Ihr seid und was Ihr braucht!

Eure Carolin

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3 Kommentare

  • Reply Ebbi 8. Januar 2019 at 19:47

    Ganz toll geschrieben ich bin da ganz nah an deinen Worten

  • Reply Barbara 11. Januar 2019 at 15:42

    Ach Carolin, Text und Bilder sind wundervoll. Mehr Worte finde ich dafür gerade nicht. Ich danke dir, für intensive schöne 5 Minuten.

    Ganz liebe Grüße,
    Barbara

  • Reply Salome 12. Januar 2019 at 20:12

    Danke, das ist wirklich etwas, was unterbewusst ganz oft in unseren Herzen schlummert, irgendetwas sein zu müssen. Ich finde, du hast das wunderschön und sehr reflektiert geschrieben, dass es auch das „werden“ sein darf. Familie werden, statt zu haben. Sehr befreiend! Vielen Dank, dass du deine Gedanken mit uns teilst

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