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telling little adventures | Im Botanischen Garten in Oldenburg

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Seid Ihr eigentlich Abenteurer? Immer auf der Suche nach der nächsten, großen, wunderbaren Geschichte? Ich wäre gern einer, wollte immer einer sein. Geschichten sammeln und sie erzählen. Auf die Frage, was ich mal werden möchte oder was mein Traumberuf ist, hatte ich nie eine Antwort. Außer: ich will schreiben. Und das wollte ich bevorzugt irgendwo anders (als Zuhause) tun. Neue Orte, fremde Menschen, etwas riechen, schmecken, erleben, was ich vorher nicht kannte, und dafür Worte finden.

Aber auch der größte Abenteurer braucht zwei Dinge: Geld und Zeit. Mut, Neugier, Offenheit, all das reicht nicht aus, wenn er sich entweder nicht auf Abenteuer-Suche begeben kann oder ihm die Mittel dafür fehlen. So dachte ich viele Jahre lang. Als die Geschichten, die ich schreiben wollte, sich nie dort abspielten, wo ich gerade war, meistens mangels Geld, manchmal mangels Zeit.

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Aber bemessen sich Abenteuer an der Entfernung, an der Fremdheit, am Preis, am zeitlichen Aufwand? Oder ist es im Grunde nicht jede Situation, in der sich die Grenzen verschieben, innerhalb derer wir uns normalerweise bewegen? Das Wort Abenteuer geht auf das lateinische advenire zurück, dessen Bedeutung sich zwischen beginnen, ausweiten und ankommen bewegt. Ein Abenteuer ist also ein Prozess, genau wie Geschichten es sind. Der finanzielle oder zeitliche Aufwand spielt dabei genauso wenig eine Rolle wie das Maß an Adrenalin, Coolness oder Anerkennung, was wir so gern zur Untermauerung eines echten Abenteuer-Anspruches verwenden. Es geht um  Bewegung, das voran und zurück schreiten. Eine Neuvermessung der eigenen Wahrnehmungsblase.

Es hat mich einige Jahre gekostet, bis ich das begriffen habe. In der Zwischenzeit hatte ich es schon aufgegeben, glaubte, den inneren Abenteurer auf den Berg der verloren geglaubten Träume geworfen zu haben. Telling little adventures, das Erzählen kleiner Abenteuer, ist der Gegenbeweis an mich selbst; das aktive Abräumen dieses unsäglichen Haufens, dem ich doch so gar keine Bedeutung und damit Existenz einräumen möchte. Am Ende besteht die Gefahr, dass nicht nur ich, sondern auch meine Kinder am Fuße dieses Berges stehen. Zu ihm aufschauen in der Annahme, dass er unverrückbar, seine Existenz unumstößlich ist.

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Also gilt es: her mit der echten Aventuire, die uns zeigt, dass Träume nicht auf einem Berg liegen. Sind sind versteckt hinter riesigen Blättern, hinter denen wir kaum hervorblicken können und doch alles sehen. Thronen weit oben in den Wipfeln der Bäume, majestätisch und verwunschen wie der Pfau im goldenen Nachmittagslicht. Sie sind neugierig, was sich hinter noch so kleinen Türen und Fenstern alles verbergen mag. Verborgen hinter Palmenschleiern, hinter denen unser bisheriges Leben verwischt, es keine Rolle spielt, woher wir kommen und wohin wir gehen.

Zurück bleiben nur wir. Verändert, gewachsen, gestärkt für das nächste Abenteuer. So klein oder groß es auch sein mag.

Eure Carolin


Redaktioneller Beitrag | Die Bilder dieses Posts sind im Botanischen Garten in Oldenburg entstanden, dessen Besuch sich wunderbar für einen Nachmittag eignet. Der Eintritt ist frei. Ins Tropenhaus gelangt man ebenfalls so, das Sukkulentenhaus wird jedoch nur nach Absprache bzw. Anmeldung geöffnet.

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4 Kommentare

  • Reply
    Planet Hibbel
    11. September 2018 at 9:46

    Gerade in den heutigen Zeiten, wo alles immer höher, schneller, weiter sein muß, finde ich gerade die kleinen Abenteuer viel spannender und interessanter. Ich kann all diese Superlativen manchmal nicht mehr sehen und man bekommt mehr und mehr den Eindruck, daß es nur noch darum geht, nach Australien oder Timbuktu zu reisen, damit man es Gott und der Welt auf Instagram zeigen kann. Was bin ich also froh, daß ich all das bereits ausgiebig vor den Sozialen Medien gemacht habe. Also bitte mehr von diesen kleinen Geschichten. Btw… ich liebe Botanische Gärten. LG, Nadine

    • Reply
      Carolin
      13. September 2018 at 11:08

      Ich leider noch nicht, Australien ist schon von je her mein Traum. Aber dabei geht es mir eben auch um die Erfahrung, um die Menschen, das Land, die Atmosphäre. Ich verstehe, was Du meinst, mir geht es ähnlich und ich kann das oft kaum noch ertragen.
      Ha, kleine Geschichten habe ich noch jede Menge <3

  • Reply
    Nadine
    11. September 2018 at 22:27

    Danke für diese wunderschönen Fotos, die so einen spannenden und interessanten, so anderen Eindruck vom Botanischen Garten vermitteln, als ich ihn kenne! Ich mag ihn sehr den Oldenburger, seit wir dort weggezogen sind, waren wir allerdings nicht mehr dort.
    LG Nadine

    • Reply
      Carolin
      13. September 2018 at 11:05

      Danke, das freut mich total, das zu hören! Dann wird es ja vielleicht mal wieder Zeit für Euch <3

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