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Wenn das Leben ein Sonnenblumenfeld wäre…

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Sonnenblumen-Liebe

Ich weiß nicht, woher meine Liebe für Sonnenblumen kommt, aber sie war schon als Teenager vorhanden. Nicht, dass ich mich überall damit umgeben müsste, schon gar nicht in gedruckter Form auf Textilien oder Bildern! Und ich brauche sie auch nicht das ganze Jahr auf dem Tisch in der Vase stehen haben – aber gut, das trifft eigentlich auf alles zu, denn ich liebe die Veränderung und damit einhergehend, dass alles seine Zeit hat. Trotzdem: Sonnenblumen machen mich auf eine besondere Art und Weise fröhlich. Und deswegen habe ich mir auch schon zu einem meiner Teenie-Geburtstage – es muss der 15. oder 16. gewesen sein – unbedingt eine Sonnenblume gewünscht (was Anfang Juni nicht so einfach zu bewerkstelligen war).

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Als wir diesen Sommer wunderbare Tage in Frankreich verbrachten, teilte ich meinem Mann gleich zu Beginn des Urlaubs mit, dass ich unbedingt schöne (mit Ausrufungszeichen!) Bilder von mir in einem Sonnenblumenfeld bräuchte.

Wenn das Bild ein Sonnenblumenfeld wäre…

Gegen Ende unserer zwei Wochen war es dann so weit, irgendwo außerhalb vor Saintes humpelten wir mit nicht mehr ganz so stabilen Stoßdämpfern über einen Feldweg und pirschten uns vorsichtig einen Weg über trockene, warme Erde und durch große, gelbe Sonnenkelche. Das goldene Licht des frühen Abends schien ganz herrlich und wunderbar zwischen den Blättern hindurch. Nur das mit den schönen Fotos wollte erst so überhaupt nicht funktionieren. Ich war erschöpft vom Tag, mein Mann kam irgendwie mit den Lichtverhältnissen nicht zurecht und wir hatten eine sehr unterschiedliche Vorstellung davon, wie das Motiv „Caro schön im Sonnenblumenfeld“ nun zu interpretieren sei. Ich sah meine schöne Idee (und all die Instagram tauglichen Bilder) schon flöten gehen. Dabei hätten die Umstände nicht besser sein können!

So ist das im Leben doch oft auch, oder? Wir denken: jetzt ist alles schön. Arbeit schön, Wohnung schön, Familie schön, Kleidung schön – und alles Instagram-tauglich fotografiert. Und dann merken wir trotzdem, dass wir enttäuscht sind. Ruhelos, rastlos. Das irgendwas nicht stimmt. Wir sehen unsere ganze ach so schöne Vorstellung den Bach runter gehen und wissen nicht, wieso.

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Wenn das Leben ein Sonnenblumenfeld wäre…

…dann wäre alles in Ordnung, oder? 

Wie oft wünschen wir uns die äußerlich perfekten Umstände in der Annahme, dass dann – und zwar erst genau dann – unser Leben schön, richtig, wertvoll ist. Diese Gedanken, ich kenne sie nur zur gut. Die letzten Monate trieben sie mich immer und immer wieder um. Wir befanden (und befinden uns immer noch) in einer wirtschaftlich prekären Lage. Und machen wir uns nichts vor: Geld ist nicht alles. Aber so ganz ohne wird es eben auch ganz schön schwierig. Während der letzten Wochen saß ich eines Abends heulend auf dem Sofa und sagte zu meinem Mann: was soll das denn für ein Leben sein, wenn man immer nur abwartet und die Tage absitzt? Bis zum nächsten Ersten wartet und inständig hofft und betet, dass es bis dahin für alles reicht?

Tja, was soll das für ein Leben sein? Kein besonders schönes oder erstrebenswertes. Weit und breit kein Sonnenblumenfeld in Sicht, würde ich sagen. Nur: das Leben, das ist ja trotzdem da. Es ist und bleibt unseres, egal, ob das Feld, auf dem wir stehen, gerade blüht oder vertrocknet ist. Und ein anderes haben wir nun mal nicht.

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Sonnenblumen sind in der Phase ihres Wachstums sogenannte heliotrope Pflanzen. Sie wenden sich immer der Sonne zu, wandern mit ihrem Kopf vom Sonnenaufgang im Osten bis zum Sonnenuntergang Richtung Westen. Nachts kehren sie wieder nach Osten zurück. Sind Sonnenblumen erblüht, friert die Ausrichtung im Stängel ein und die Blüte wendet sich ab sofort immer Richtung Osten. 

Ist das nicht erstaunlich? So lange die Sonnenblume wächst, lernt sie. Sie lernt, der Sonne als Ort der Wärme und Energie zu folgen. Wenn sie ausgewachsen und erblüht ist, kann sie das nicht mehr. Aber sie braucht es auch nicht mehr, es ist in ihr gespeichert. Ab sofort wendet sie sich immer Richtung Anfang, in dem Wissen, dass die Sonne jeden Morgen neu aufgehen wird; und blickt nicht mehr aufs Ende. 

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Wenn unser Leben ein Sonnenblumenfeld wäre…

…dann wären nicht immer alle äußeren Umstände schön, toll, perfekt und unser Leben erst dann wertvoll.

Dann wäre tief in uns das Wissen gespeichert, woher Wärme, Licht und Energie kommen. Dann wissen wir: auch, wenn unsere Bewegungsmöglichkeit eingefroren ist; auch, wenn wir das Ende nicht sehen – wir verlieren den Blick auf Anfang und Neubeginn nicht. 

Eure Carolin


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2 Kommentare

  • Reply
    Claudia / Schoko.li
    4. September 2018 at 21:02

    Zauberhaft geschrieben und du hast Recht. Manchmal, vor lauter Sorgen, verlieren wir den Blick auf das Wesentliche. Hin und wieder passiert mir das auch, bloß gut immer nur für einen ganz kleinen Moment.

    Deine Bilder sprechen für sich. Auch wenn du Dir Sorgen machst und erst vielleicht nicht glücklich zu sein scheinst mit den Bildern, so wie du sie Dir vorgestellt hast, sie sind wunderbar. Auf mich wirkst du Zufrieden und Glücklich auch wenn die Sorgen im Hinterkopf sind.

    • Reply
      Carolin
      6. September 2018 at 11:21

      Ganz lieben Dank für diese schöne Rückmeldung!

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