seed & story
Deutschland Reiselust

Ein Tag in Cuxhaven: Zwischen Fischkutter und Auswandererromantik

Über die letzten zwei Jahre habe ich ja nur in großen Abständen immer mal wieder über Cuxhaven gebloggt. Unter anderem deswegen, weil wir hier wohnen, unser alltägliches Leben hier bestreiten. Ich finde es dann manchmal gar nicht so leicht, die Dinge von außen zu betrachten. Beispielsweise wie jemand, der hier Urlaub macht. Aber da ich gerade in den letzten Wochen gemerkt habe, wie sich meine eigene Perspektive geändert hat und wir mittlerweile tatsächlich ein Gefühl von „angekommen sein“ tief in uns verankert wissen. Nun, ich dachte, dann ist es doch endlich Zeit, diese geänderte Perspektive auch hier regelmäßig auf meinem Blog zu teilen.

Ein Tag in Cuxhaven (#eintagincux) soll eine Art lose Reihe werden, die schöne Routen, Orte und Perspektiven hier aus dem Cuxland sammelt. Für Euch als Inspiration, wenn es Euch entweder regelmäßig hier ans Ende der Elbe verschlägt. Oder wenn Ihr es bisher nicht in Erwägung gezogen habt, dann vielleicht als Anreiz. Ich hab auch selber was davon. Denn manchmal ist es gar nicht so einfach, sich immer wieder aufzumachen, wenn man denkt, bereits alles zu kennen.

seedandstory.de | Ein Tag in Cuxhaven: Zwischen Fischkutter und Auswandererromantik

#eintagincux: Zwischen Kuttern und Auswandererromantik – der neue Fischereihafen

Und wo kann man in einem Ort, der ja schon im Namen benennt, wie wichtig dieser Teil ist, besser beginnen als im Hafen? Oder zumindest in einem Teil davon.

Morgens ist es besonders schön dort, zwischen Kuttern, die gerade vom Fang einfahren, ihre Kisten voll mit Nordseekrabben und frischem Fisch – und wenn man rechtzeitig genug da ist, kann man beim Ladung löschen zusehen. Die Sonne steht noch tief und wirft lange, harte Schatten an die Backsteinmauern der alten Fischhallen. Oder sie blinzelt zwischen den Masten der Boote und Kutter hervor und taucht alles in ein fahles, viel versprechendes Licht.

seedandstory.de | Ein Tag in Cuxhaven: Zwischen Fischkutter und Auswandererromantik

Den ausgeschilderten Rundweg, mit dem der neue Fischereihafen erschlossen wurde, ignoriere ich lieber, als ich mit der Kamera dort entlang streife, wohin mich Möwengeschrei und der Fischgeruch ziehen. Einen kurzen Blick muss ich auf den alten Fischereihafen werfen, bevor ich ihn jedoch für diesen Morgen links liegen lasse.

seedandstory.de | Ein Tag in Cuxhaven: Zwischen Fischkutter und Auswandererromantik

Wir schlendern am Liegeplatz der Küstenwache vorbei, über die Schleuse hin zu meinem liebsten Platz im gesamten neuen Fischereihafen: den Hapag-Hallen entlang des Amerika-Hafens bis hin zum Steubenhöft. Anfang des 20. Jahrhunderts fuhren von hier die größten Passagierschiffe der Welt nach New York, Boston, Halifax und sogar bis nach Australien. Und genau wie in Bremerhaven suchten von hier aus viele Menschen als Auswanderer das Glück in Übersee.

seedandstory.de | Ein Tag in Cuxhaven: Zwischen Fischkutter und Auswandererromantik

Fernweh und Abenteuerlust: Hapag-Hallen und Steubenhöft

Als ich im Morgenlicht davor stehe, wünschte ich, das Zeitreisen wäre endlich erfunden. Was für eine Energie muss hier geherrscht haben! Menschen voller Hoffnungen und Sehnsüchte, das ganze Leben oder nur wenige  Habseligkeiten zusammengepackt. Frauen in weiten Röcken und mit Hut, die Männer im Anzug oder Frack, riesige Koffer, die verladen wurden. Ich stelle mir den Lärm vor, der in einem Film mit Untertitel als „lautes Durcheinandergerede“ beschrieben würde – dazwischen das Hämmern der Schiffsmotoren. Mit welchen Hoffnungen sind diese Menschen über See gestartet, aus welchem Leben wollten sie fliehen? Ich wünschte, die Mauern, alten Balken und Fenster könnten sprechen, was für sagenhafte und manchmal auch unglaublich traurige Geschichten sie zu erzählen wüssten!

seedandstory.de | Ein Tag in Cuxhaven: Zwischen Fischkutter und Auswandererromantik

An diesem Morgen ist von Fernweh nichts zu spüren, wir hören den Lärm einer Baustelle und das Kreischen der Möwen, mehr nicht. Das Tor zur Pier ist geschlossen, die Fähre, die von hier nach Schleswig-Holstein quert, ist wieder einmal stillgelegt. Zu wenig Geld, als dass sie rentabel wäre. Im Gebäude des Steubenhöfts findet sich ein Restaurant, was ebenfalls (noch) geschlossen hat. Ob sich ein Besuch lohnt, weiß ich nicht. Neben den Elblotsen, die ihr Büro hier haben, findet sich im ersten Stock des Gebäudes noch eine kleine Ausstellung über die Zeit der Auswanderung – ziemlich kläglich, wenn man bedenkt, dass man in Bremerhaven ein komplettes, interaktives Museum zum Thema findet. Trotzdem ist sie sehenswert und kostet immerhin keinen Eintritt. Auf großen Plakaten ist ausführlich Aufstieg und Fall sowohl der Hapag-Lloyd als auch des Standortes Cuxhaven beschrieben. Eine Geschichte, die wie so oft durch Habgier und Krieg, aber auch große Innovationslust geprägt ist.

seedandstory.de | Ein Tag in Cuxhaven: Zwischen Fischkutter und Auswandererromantik

seedandstory.de | Ein Tag in Cuxhaven: Zwischen Fischkutter und Auswandererromantik

Übrigens sind die Hapag-Hallen noch heute in regem Gebrauch, für Events und Veranstaltungen verschiedenster Art. Wir haben dort auch schon eine Hochzeit gefeiert und als die Mädchen noch den Kindergarten besuchten, gab es im Bahnhof der Hapag-Hallen – dort, wo all die Reisenden aus Hamburg ankamen, bevor sie ihre Schiffsreise antraten – einen Theaterzug.

Von der Schleuse zum Alten Fischereihafen

Wir bleiben eine ganze Weile vor den Gebäuden stehen, lauschen dem Flüstern der Vergangenheit, während die Sonne höher steigt und den Zauber des Morgenlichts mit sich nimmt. Zurück geht es über die Schleuse, die gerade einen Fischkutter einlässt. Während wir warten und das Spektakel betrachten, fragen wir uns, ob die Arbeit im Hafen eigentlich irgendwann langweilig wird?

seedandstory.de | Ein Tag in Cuxhaven: Zwischen Fischkutter und Auswandererromantik

Schließlich ist die Straße wieder an Ort und Stelle und wir setzen unseren Weg fort, landen am Ende doch im alten Fischereihafen, wo wir die Polizei bei einer Übung beobachten. Für ein Fischbrötchen ist es uns eindeutig noch nicht mittags genug, ein gemütliches Café gibt es leider nicht zwischen all den Fischkontoren. Eine ziemliche Marktlücke, finde ich.

Aber trotzdem ist es hier schön, zwischen Fischkutter und Auswandererromantik, mit Möwengeschrei und Schiffstuten im Ohr, eine Brise, die nach Meeresluft und Fisch riecht in der Nase. So lässt sich ein Tag in Cuxhaven wirklich gut starten.

Moin,

Eure Carolin

Übrigens: alle meine Posts in und um Cuxhaven findet oben in den Kategorien –> Reisen –> Deutschland –> Cuxhaven!

seedandstory.de | Ein Tag in Cuxhaven: Zwischen Fischkutter und Auswandererromantik


#eintagincux im neuen Fischereihafen in Kürze

  • einen Kaffee und Frühstück auf die Hand eingepackt, Tuch und Mütze nicht vergessen!
  • das Auto könnt Ihr beispielsweise gegenüber von real parken, von dort aus kann man eine sehr gute Runde laufen
  • entweder dem ausgeschilderten Rundgang folgen oder ganz frei Schnauze zwischen den Kuttern und Anlegern entlang streifen
  • eine Pause an den Hapag-Hallen einplanen und voller Fernweh von mondänen Schiffsreisen träumen
  • je nach Uhrzeit und Hunger auf dem Rückweg entweder ein Fischbrötchen mit fangfrischen Nordseekrabben oder Fisch als Stärkung mitnehmen oder sich in den Fischkontoren was für später einpacken lassen

Pin the story

seedandstory.de | Ein Tag in Cuxhaven: Zwischen Fischkutter und Auswandererromantik

Das passt dazu...

4 Kommentare

  • Reply
    Christiane Righetti
    9. Juli 2018 at 10:11

    …das sieht ja so aus, als ob man da mal hinsollte ;-)!! Irgendwann in den 80er Jahren hatten wir mal ein Pfadfinder-Sommerlager in Cuxhaven, bei dem ich damals leider nicht mitgefahren bin. Seither, und weil ich den Namen so schön finde, wollte ich da immer mal hin. Mal schauen! Vielen Dank und liebe Grüße, Christiane

    • Reply
      Carolin
      24. Juli 2018 at 12:49

      Na, dann wird es aber höchste Zeit, was? 😉 Cuxhaven ist sicherlich nicht der hipste Ort, den man sich vorstellen kann. Aber schöne Ecken gibt es hier auf alle Fälle!

  • Reply
    Yvonne Bach
    22. August 2018 at 21:24

    Obwohl wir ja schon oft in Cuxhaven waren, aber diese Ecke ist uns bislang fremd. Aber aufgrund deiner Ausführungen werden wir diesem Ort in den nächsten Tagen einen Besuch abstatten.
    Vielen lieben Dank für deine Ausführungen und deine Erklärungen. Wir haben schon einige deiner Tipps befolgen können.
    GVLG Yvonne

  • Reply
    Julia
    31. August 2018 at 14:10

    Hach, wie schön, Carolin! Ich bin regelmäßig – dennoch leider viel zu selten wegen Arbeit und so – bei Freunden im Wurster Land zu Besuch. Für mich ist das dann Urlaub in einer fast bekannten Region, in der es noch immer viel zu entdecken gibt. Viele Grüße! Julia

  • Hinterlasse einen Kommentar