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Über Altersweisheiten und graue Haare

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Seit Anfang des Monats bin ich alt. Sagen jedenfalls die Produkte in den Regalen gängiger Drogeriemärkte, denn mit 35 brauche ich etwas für die reife Haut. Was ungefähr die letzte Kategorie vor 50 ist, in der Beauty-Alters-Bemessungsskala. Danach kommt wahrscheinlich nur noch der Leichenbestatter oder so… Außerdem habe ich den Punkt erreicht, an dem ich beim Friseur meine sehr vielen grauen Haare unterstütze, auch noch den Rest Farbe zu verlieren (anstatt dagegen anzuarbeiten).

Wo das jetzt also so ganz offiziell bestätigt ist, dachte ich, kann ich mal etwas von meiner reifen Altersweisheit abgeben. Einfach so, damit Ihr auch davon profitieren könnt.

Hier kommen also meine 10 Altersweisheiten so im Allgemeinen und über graue Haare im Speziellen

  1. Es spielt keine Rolle, wie alt du dich fühlst – es gibt immer jemanden, der Dir auf die Frage nach deinem Alter sagt: das hätte ich jetzt aber nicht gedacht.
  2. Erwachsen sein ist ein Mythos, den man mit 35 endlich entlarvt hat. All die Vorstellungen von dem, was man als Erwachsener angeblich so tut, besitzt oder schon erlebt hat, erweisen sich ganz unter Umständen als nicht getan, zu teuer und noch auf der bucket list. Nach einem gewissen Punkt der Verzweiflung, an dem man sich panisch fragt: hätte ich das nicht längst alles geklärt haben müssen? wird man jedoch sehr gelassen, trägt noch eine Schicht Feuchtigkeitscreme für die reife Haut auf und macht weiter mit dem alltäglichen Wahnsinn.
  3. Man ist so alt wie man sich fühlt. Stimmt genau dann, wenn man sich beim Aufstehen vom Sofa den Rücken hält und dabei merkt, dass 35 echt alt sein kann.
  4. Der Moment, wenn man dir sagt, dass deine noch grauer gefärbten Haare besser aussehen als deine echten grauen und du dich nicht mehr drüber wunderst…
  5. Apropos graue Haare: es kommt der Punkt, an dem man über andere, die über das erste graue Verlegenheitshaar jammern, lacht – laut und dreckig. Ja, das ist gemein. Im Alter darf man das. Manchmal.
  6. Man hat keine Scheu mehr, seine Meinung laut und deutlich zu vertreten. Überhaupt ist man in der Öffentlichkeit wesentlich weniger scheu, Dinge zu tun, für die man sich früher geschämt hätte. Pupsen zum Beispiel.
  7. 35 zu sein ist übrigens eine Art Area 51, Sperrgebiet im Reich der zahlenmäßig gebundenen Veranstaltungen. Ü30 ist schon vorbei, Ü40 noch lange hin. M30 gibt es nicht, wäre aber gar nicht so doof, wenn ich so drüber nachdenke. Klingt fast wie MI6 und die Vorstellung, ab sofort als sexy Bondgirl auftreten zu können – das hätte was, oder?
  8. Und wo wir gerade beim nächsten großen Zehner sind: es lohnt sich, jede Menge Menschen zu kennen, die die 40 bereits überschritten haben. Weil die nicht müde werden, einem Dinge wie „Du Küken“ oder „Bist Du noch jung!“ zu sagen – geht runter wie Öl.
  9. Auf der anderen Seite sollte man dringend vermeiden, sich Menschengruppen anzuschließen, die dem eventuell gefühlten Alter von Anfang 20 entsprechen. Die Tatsache, dass man ausschließlich gesiezt und nach den Kindern gefragt wird, ist ein wenig ernüchternd – eventuell genauso wie die Tatsache, dass manche Kleidungsstücke mittlerweile einfach zu kurz sind.
  10. Der wichtigste aller Punkte: die Altersweisheit, von der alle sprechen und die ich hier versuchsweise teilen wollte, ist nach wie vor ein ungeklärter Mythos – auch, wenn man sich das Gegenteil einredet.

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Kommt gut in die neue Woche!

Eure Carolin

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2 Kommentare

  • Reply
    Corinna
    25. Juni 2018 at 21:32

    Sehr humorvoll geschrieben 😀🤙

    Liebe Grüße,
    Corinna

    • Reply
      Carolin
      30. Juni 2018 at 16:03

      Hihi, Dankeschön!

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