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Ein Tag in Groningen und wie wir ihn so verbracht haben

Gut, streng genommen ist schon die Überschrift „ein Tag in Groningen“ falsch (es war bestenfalls ein halber Tag!). Wie überhaupt bei unserem Ausflug in die holländische Universitätsstadt so einiges in Schieflage geriet. Vor allem meine Erwartungen. Was gut war, die waren nämlich auch falsch. Oder eben zumindest nicht im Gleichgewicht. Aber der Reihe nach.

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In den Osterferien setzten wir endlich um, was wir uns schon bestimmt ein Jahr – oder sogar länger? – vorgenommen hatten. Zur holländischen Grenze sind es von uns aus nicht mal zwei Stunden Fahrtzeit mit dem Auto, ein Tag in Groningen ist also kein wirklich gewagter Plan für einen Tagesausflug. Mit sagenhaften zwei Stunden Verspätung machten wir uns dann also an einem März-Montag auf den Weg. Das Wetter war gut, die Laune bei den jüngeren Mitfahrern dank Hörbuch ebenso. Warum hatten wir nochmal ein Jahr – oder sogar länger? – gebraucht?

Ein Tag in Groningen: Holländische Schafe und schmale Parklücken

Als wir die Landesgrenze passierten, waren die Kinder angemessen aufgeregt und gleichzeitig erstaunt, dass auch in Holland die Wiese grünt und Schafe vier Beine haben. Ich fragte mich unwillkürlich, wie nachhaltig der Schaden eigentlich ist, den unsere bisher nur gering vorhandenen Reisemöglichkeiten angerichtet haben könnten… Als wir in Groningen ankamen und das Auto in eine wirklich sehr schmale Lücke eines Parkhauses manövrierten – ich vermute, dauerhaftes Fahrradfahren verursacht rein breitenplatztechnisch definitiv einen Perspektivwechsel. Von der Notwendigkeit her, Ihr versteht. Als das Auto schließlich jedoch an Ort und Stelle stand, brach meine Sonnenbrille entzwei. Ich deutete es nicht als Omen, sondern freute mich auf ein wenig Urlaubsflair, einen leckeren Kaffee und ein paar schöne Geschäfte.

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Es ist immer günstig, sich im Vorfeld zu erkundigen, wann man wohin fährt. Mit Betonung auf wann. Zumindest dann, wenn das Urlaubsglücksgefühl an konkrete Erwartungen wie beispielsweise volle Einkaufstaschen geknüpft ist. So hätten wir also im Vorfeld gewusst, dass der Großteil der Geschäfte, Restaurants und Cafés montags entweder ganz geschlossen hat oder zumindest erst nachmittags öffnet. Jedem unserer Schritte Richtung Grote Markt folgte ein sehnsüchtiger Blick in geschlossene, aber nicht minder verführerische Auslagen. Wir hielten mit Sätzen wie „Schau mal, das wäre bestimmt ein toller Laden!“ tapfer gegen das Launentief an, welches sich anzubahnen drohte.

Martinikerk

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Auf dem Grote Markt angekommen und einer riesigen Baustelle ansichtig, entschieden wir uns zunächst für ein wenig Kulturprogramm. Schadet schließlich nie! Wir holten uns in der Touristinformation für ungefähr 12,- Euro Tickets und bestiegen den Turm der Martinikerk. Ein spezielles Tor zählt dabei, wieviel Menschen sich im Inneren befinden, weswegen es also auf der gefühlt 1.000 Kilometer langen Wendeltreppe (der Turm ist immerhin knapp 100 Meter hoch und die Treppe gewunden – bestimmt lieg ich nicht allzu falsch, mathematisch gesehen und so) zu wenig Gegenverkehr kommt. Der Aufstieg ist echt anstrengend, aber lohnt sich – von der Fitness und der Aussicht her! Man kann „unterwegs“ einen Blick auf die Oberseite des Gewölbes, sowie auf das große Geläut werfen. Oben angekommen lässt sich der Turm einmal umlaufen – für mich eine Herausforderung. Auch die Mädels hatte die Höhenangst gepackt und wir machten uns noch vor den wesentlich mutigeren Männern wieder auf den Rückweg.

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Unten angekommen sprang Alva mit ausgereckter Faust jubelnd in die Höhe. Holland, sagte sie, sei eine sehr anstrengende Stadt. Sie war wohl ziemlich froh, den Mount Everest Groningens erfolgreich überwunden zu haben. Direkt ans Kirchengebäude angeschlossen befindet sich ein kleines, sehr hübsches Café/Restaurant, durch das man in das Innere der Kirche gelangt. Wir bezahlten noch einmal zwei Euro und wurden durch eine Seitentür eingelassen.

Der gotische Bau ist ein wirklich beeindruckender, vor allem der Altarbereich (und der Dielenboden! Ehrlich, was würde ich für diesen Dielenboden hier zu Hause geben!). Wir genossen die Ruhe und das Licht, badeten in beidem und tankten innere Ruhe. Wir passierten eine Gruppe Studenten und ich fühlte mich augenblicklich zu all meinen Exkursionen zurück versetzt. Was waren das noch für Zeiten, als ich stundenlang Grabplatten, Chorgestühl und Gewölbeverzierungen analysierte und unser Professor auch nach 8 Stunden lediglich eine höfliche Schweißperle auf der Stirn zeigte – im Gegensatz zu seinen Studenten, die schwach und wenig aufrecht zwischen den Bänken hingen.

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Der ultimative Shopping-Guide

Kultur macht hungrig, Kunst auch. Und nachdem die Kinder mit großer Begeisterung festgestellt hatten, dass sie der holländischen Sprache mächtig sind („Kuck mal, der auf dem Bild, das ist St. Martin – des wegen Martinikirche, ne?“), bewegten wir uns Apfel und Cracker essend einmal um die Kirche. Vorbei am Provinciehus und dem Martinikerkhof. Und machten uns auf die Suche nach einem Platz zum Mittagessen.

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Wir landeten schließlich in einem leeren Vapiano’s und ich ließ mich dazu hinreißen, unterzuckerte und damit ziemlich unleidliche Geschichten darüber in mein Telefon zu sprechen, dass ich niemals einen gescheiten Blogpost schreiben werde. Weil alles geschlossen hat und meine Leser aber doch meinen ultimativen Shopping- und Café-Guide aus Groningen erwarteten und ich hier bei Vapiano’s sitze und meine Kinder trockene Nudeln mit Parmesan verspeisen (freiwillig!).

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Merke: wenn ich hungrig bin, sollte man mir kein Telefon in die Hand geben. Oder alternativ vorher Instagram löschen.

Um einmal ein paar ernsthaftere Töne anzuschlagen. Dieser Ausflug war insgesamt wirklich ein schöner. Meine Erwartungen und der Stress, den mir die geschlossenen Geschäfte verursachten, hingegen nicht. Im Gegenteil. Auf eine besagter Jammereien schrieb mir jemand: „ich wundere mich – so negativ kennt man dich doch sonst nicht!“ Gemeinsam mit der Pasta in meinem Bauch brachte mich das wieder zur Besinnung. Was war denn mit mir los? Ich reise für mein Leben gern, bin neugierig und in der Regel ziemlich stolz darauf, dass ich aufgeschlossen auch auf die kleinen Momente und Geschichten schauen kann. Und dann passiert mir schon wieder exakt das, was ich bereits letztes Jahr nach unsere Reise nach Antwerpen festgestellt hatte. Ich zitiere mich mal selbst: „Man muss schon selbst losgehen und entdecken, was einem das Leben – oder in dem Fall das Reiseziel – erzählen will. Und man sollte gewillt sein, seine Perspektive hin und wieder zu ändern.“

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Keiner erwartete von mir einen Shopping- und Foodguide – warum also ich, wo ich doch selbst selten damit etwas anfangen kann? Genauso wenig würde ich jemals etwas Ultimatives schreiben! Und wenn, dann wäre es die Anleitung für Weltfrieden – nicht eine Sammlung schöner Cafés und Geschäfte.

Wo wir am Ende tatsächlich waren

Goudkantoor

Hier sind wir am Ende, kurz vor unserer Heimfahrt noch gelandet. Wir wollten eigentlich nur einen Kaffee und eine Limo trinken. Aber da pünktlich 18:00 bei den meisten Läden Feierabend war, gab es nicht wirklich viel Auswahl. Aber Het Goudkantoor fanden wir wirklich sehr gemütlich und urig und auch die Bedienung dort war sehr freundlich. Ach ja, lecker war’s auch ;-).

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Wijsneus

Wohl das, was man einen Hipster-Kinderladen nennt. Aber was für ein schöööööner! Hier haben wir tatsächlich Klamotten, neue Brotdosen und etwas fürs Osternest gekauft. Die Besitzerin war super freundlich und das Angebot hat uns richtig gut gefallen. Skandinavische und holländische Marken gab es vor allem im Angebot und ich hätte echt gern noch das ein oder andere Teil mitgenommen. Wenn das Budget da nicht einen Riegel vorgeschoben hätte…

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Das Bild hat Thea gemacht und ich liebe es einfach – auch, wenn mir ein Turm aus dem Kopf wächst ;-).

Søstrene Grene und Sissy-Boy

Kein Geheimtipp oder sowas, aber die Kinder lieben die Bastelsachen, die es bei Søstrene Grene gibt und bei Sissy-Boy wollte ich so gern mal in den Laden (ich hatte dort schon mal eine Decke bestellt aus lambswool bestellt).

Ansonsten hätte ich für mein Leben gern Klamotten für mich und Raffi geshoppt. Mir schien, dass es dafür wirklich jede Menge toller Läden dort gibt! Aber das meiste hatte tatsächlich geschlossen und mit drei Kindern ist das auch nur mässig entspannt. Also haben wir es auf einen weiteren Besuch verschoben, der uns hoffentlich nicht wieder Jahre in der Planung kostet *stellt euch an dieser Stelle UNBEDINGT ein genervtes Augenrollen meinerseits vor*.

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Hausboot-Liebe

Bevor wir wieder heimfuhren, haben wir noch einen kleinen Halt an einem der Wasserwege gemacht und sind an Hausboot-Anlegern vorbei geschlendert. Vor allem Alva fand die Vorstellung unglaublich faszinierend, dass man darauf tatsächlich wohnen kann! Es ist ausgemachte Sache, dass wir das unbedingt einmal als Familie erleben sollen. Ihr abschließender Kommentar, bevor wir uns wieder auf den Heimweg machten: Holland, Mama, ist echt eine schöne Stadt. Hier sollen wir nochmal hinkommen.

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Mein Fazit: am geographischen Verständnis der Kinder müssen wir noch dringend arbeiten. Ich überlege, bei der nächsten Autofahrt, „Die Schule der magischen Tiere“ gegen einen Kinderatlas in Hörbuch-Form einzutauschen. Alternativ reisen wir vielleicht einfach mehr – ist ja eh das, was wir wollen. Und auch in der Stadt Holland gibt es ja noch ne Menge zu entdecken!

Ward Ihr schon mal in Groningen und habt noch ein paar schöne Tipps für mich? Dann immer her damit in den Kommentaren!

Eure Carolin

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2 Kommentare

  • Reply
    Juliane
    26. April 2018 at 20:16

    Ach Du Liebe,
    Wunderbar Alvas Stadt Holland!
    Ich finde wir hatten das Glück sehr viel mit unseren Kindern zu reisen. Eigentlich lassen wir keine Ferien aus und so oft wie möglich noch verlängerte oder kurze Wochenenden. Und trotzdem ist unsere liebe Tochter (8) immer mal wieder verwirrt, das unser Nachbarort auch in Deutschland ist, oder das die Engländer anders reden, …..
    Schlau werden die Lieben Kleinen bei Euch schon von ganz alleine. Vor allem schlau an Liebe und Lebensfreude, auch wenn man mal durcheinander gerät.

    Liebe Grüße
    Juliane

    • Reply
      Carolin
      13. Mai 2018 at 18:11

      Liebe Juliane, ganz lieben Dank für Deinen Kommentar! Ich hoffe, dass die Kinder das lernen, es ist uns so wichtig. Und auch, dass wir in Zukunft noch mehr reisen können. Auch zu den Nachbarn ;-).

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