seed & story
lifestyle

Vorzeitige Einschulung – ein Resümee nach dem ersten Halbjahr

Nächste Woche ist es mal wieder so weit und die Kinder bekommen ihre Zeugnisse in die Hand gedrückt. Für meine beiden Mädels werden es die ersten sein – für meinen Sohn das vorletzte auf der Grundschule. Was heißt, dass es hier bald einen neuen Weg zu beschreiten gilt.

seedandstory.de | Vorzeitige Einschulung - ein Resümee nach dem ersten Halbjahr

Letztes Jahr im Juni schrieb ich einen langen Post über die Entscheidung, unser jüngstes Kind gleichzeitig mit ihrer älteren Schwester einschulen zu lassen. Ein Post zum Thema vorzeitige Einschulung, der Euch sehr bewegt hat und auf den ich im Laufe der zweiten Jahreshälfte immer wieder Nachfragen bekam. Wie ist es denn gelaufen? Wie geht es dem Kobold? Danke! Danke, dass Ihr nachgefragt habt und den Weg auch weiter mitgeht, obwohl ich nichts mehr dazu erzählt habe. Dieses Schweigen darüber war eine bewusste Entscheidung. Eine Konzentration auf uns und unsere Familie, die wir gebraucht haben. Deswegen gab es übrigens auch nie einen Post über das, was in den Schultüten war oder über die Party. Auf einmal hatten wir alle das starke Bedürfnis, dass diese Dinge privat bleiben sollten (auch, wenn das aus blogger-technischer Sicht vielleicht nicht clever war).

 

Die richtige Entscheidung

Die Steigerung von ein auf drei Schulkinder war wesentlich anstrengender, als wir es uns zunächst vorgestellt haben. Und das am Ende gar nicht mal so sehr wegen besagter vorzeitiger Einschulung. Doch dazu ein anderes Mal mehr.

Um die wichtigste Frage vorweg zu nehmen: es war definitiv die richtige Entscheidung. Da es hier weder eine Vorschule noch ein anderes entsprechendes Angebot gibt, wäre noch ein weiteres Jahr im Kindergarten für Thea kaum auszuhalten gewesen. Sie hätte sich unglaublich gelangweilt und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich sie am Ende meistens zu Hause behalten hätte – wie ich es damals bei Jona auch schon gemacht habe (was natürlich an sich nicht schlimm ist, aber auch nicht gerade einfach, wenn man Arbeit und den Kontakt zu anderen Kindern bedenkt).

seedandstory.de | Vorzeitige Einschulung - ein Resümee nach dem ersten Halbjahr

Schulalltag

Die Mädchen sind in unterschiedliche Klassen eingeteilt worden. Das macht es etwas anstrengender für uns, aber auch das war die richtige Entscheidung. Tatsächlich ignorieren sie sich während der Schulzeit weitestgehend (und das, obwohl sie sich in den Pausen sehen und auch die Früh- und Spätbetreuung gemeinsam besuchen). Das war kein leichter Prozess, denn Thea hätte sich ihre große Schwester an ihrer Seite gewünscht. Alva wiederum brauchte den Abstand und hat am Anfang oft geweint, weil sie sich in einem Konflikt fühlte, den sie beide bewältigen mussten. Nach einem knappen halben Jahr haben sie für sich jedoch einen Rhythmus gefunden, der funktioniert. Übrigens gilt diese Ignoranz bzw. Abgrenzung auch dem großen Bruder gegenüber. Am Anfang war das für uns Eltern schon merkwürdig, da unsere Kinder sich sehr gut verstehen und hier in unserem heimischen Umfeld oft sehr eng miteinander verbunden sind. Gleichzeitig muss ich auch zugeben, dass ich einen gewissen Stolz darüber empfinde, dass alle drei mit so einer eigenständigen Stärke diesen Weg beschreiten.

Meine Töchter lernen beide nach dem selben Material, so dass sie nicht selten gleiche oder ähnliche Hausaufgaben haben. Manchmal erledigen sie die zusammen, sie vergleichen auch immer wieder mal, wer wie weit im entsprechenden Arbeitsheft ist und welchen Buchstaben der andere gerade bearbeitet. Ohne dabei jedoch in einen Wettbewerb zu verfallen, dafür sind wir sehr dankbar.

seedandstory.de | Vorzeitige Einschulung - ein Resümee nach dem ersten Halbjahr

Persönliche Entwicklung

Auf den Umgang miteinander zu Hause hat die Schulzeit weder einen guten noch einen schlechten Einfluss. Sie spielen nach wie vor sehr viel und oft auch ausdauernd miteinander. Sie haben jeder Schulfreundinnen, aber diese Freundschaften sind eher lose, führen ab und zu mal zu einer Verabredung oder einer Einladung zum Kindergeburtstag. Mittlerweile haben sie sich daran gewöhnt, dass sie zu unterschiedlichen Kindern eingeladen werden, die umgekehrte Richtung ist dagegen noch schwer. Denn mit einer Freundin hier im Haus zu spielen, während die Schwester ja da ist (aber nicht mitspielen darf), führt nach wie vor zu Konflikten, in denen wir noch etwas Übung brauchen.

Das Jahr zwischen dem 5. und 6. Geburtstag haben wir bei unseren ersten beiden Kindern als sehr anstrengend erlebt. Als eines, in welchem die Kinder eine enorme Veränderung durchlaufen – körperlich wie geistig. Die Seele ist nicht selten in Aufruhr und das Kind braucht oft viel Stärke von außen, weil es die selbst nicht aufbringen kann. Auch Thea geht durch diese Phase, nun aber parallel zur ersten Klasse (durch unser Schulsystem in Deutschland erleben viele Kinder das ja genau in dem Jahr vorher. Das ist meist die Zeit von Sätzen wie: es wird Zeit, dass das Kind in die Schule kommt…). Das empfinde ich tatsächlich für sie (und auch für uns) als sehr herausfordernd.

Wenn ich ein wenig zusammen fassen müsste, was diese vorzeitige Einschulung mit sich gebracht hat, dann wären das folgende Dinge.

  1. Die Einschulung war ein Ruck für uns als ganze Familie, hinein in neue Zeiten, ein neues Familiensystem. Das hat uns alle sehr herausgefordert und müsste ich einen Rat geben, dann wäre es der, sich dafür die nötige Zeit und Ruhe zu geben.
  2. Einschulung und persönliche Veränderung, wie ich sie eben beschrieben habe, sind auch für das Kind eine große Herausforderung. Ich sehe, dass mein Kind mit einem gewissen Kraftakt „groß“ werden musste – und das strengt an. Sie ist nicht selten erschöpft, körperlich wie seelisch und ich muss mich dann selbst immer wieder ermahnen, Nachsicht mit ihr zu haben. Auch hier wäre mein Rat: Ruhe und viel gemeinsame Zeit.
  3. Wie ich schon in meinem ersten Post zu diesem Thema schrieb: Eltern kennen ihre Kinder am besten. Es hat nie jemand behauptet, dass alles einfach ist – das gilt ja generell fürs Eltern sein. Und trotzdem war es die richtige Entscheidung. Deswegen möchte ich auch nochmal hier ganz deutlich aussprechen: schaut und hört auf Euer Kind! Ihr zusammen seid die Instanz, auf die es ankommt – auf niemanden sonst.

Wie es weiter geht

Insgesamt ist das Thema Schule für uns nicht gerade ein schönes oder entspanntes Thema und ich werde dazu noch einmal ausführlicher etwas schreiben. Aber für heute soll es das erstmal gewesen sein.

Wie Ihr merkt, ist mein Text nicht besonders bahnbrechend oder dramatisch. Was auch daran liegt, dass man viele kleine Situationen einfach im „machen“ des Alltags meistert. Solltet Ihr dazu konkret eine Frage haben, dann stellt sie gern!

Eure Carolin

Das passt dazu...

6 Kommentare

  • Reply
    Nika
    24. Januar 2018 at 9:35

    Hallo liebe Carolin,
    Ich finde, du machst das ganz großartig. Mit dem Bloggen, mit der Privatsphäre, mit dem Alltag-Beschreiben. Ich lese eure Familien-Geschichten sehr gerne und bin dankbar, dass ihr sie mit uns teilen mögt. Die Einschulung eurer beiden Töchter klingt wunderbar – auch wenn es viel Kraft und Ruhe kostet. Ich freue mich sehr, dass es für euch die richtige Entscheidung war und ihr damit alle so glücklich seid.

    Liebe Grüße
    Nika

    • Reply
      Carolin Schubert
      24. Januar 2018 at 15:31

      Dankeschön, Nika!

  • Reply
    Ani Lorak
    24. Januar 2018 at 17:51

    Wir haben unseren Sohn, der jetzt die 8. Klasse besucht, auch vorzeitig eingeschult, Ende November geboren. Grund, er kpnntexes kaum abwarten, wir wollten ihn unterstützen. Drauf gekommen sind wir, da seine damals beste Freundin auch vorzeitig eingeschult wurde. Das hat uns zum Überlegen gebracht. Was soll ich sagen, es hat für keine Probleme gesorgt. Wir haben es nie gereut. Unsere Sorge war, dass er sich zurückgesetzt fühlt, wenn wir seinem Wunsch nicht entsprechen. Wie Du schreibst, wir Eltern können unser Kind und wir müssen die Entscheidung treffen. Ich freue mich über Euren guten Start und Es liest sich nach einer guten Entscheidung für Euch!

    • Reply
      Carolin Schubert
      24. Januar 2018 at 17:55

      Lieben Dank, Ani, ich erinnere mich an Eure Geschichte aus meinem letzten Text. Ja, es war wirklich die richtige Entscheidung!

  • Reply
    Nadine
    25. Januar 2018 at 22:10

    Danke für diesen Einblick. Ich konnte mir nie vorstellen, dass ich mal überlege mein Kann-Kind frühzeitig einzuschulen, und habe jetzt aber mehrere positive Berichte und Meinungen gehört, so dass ich mal gespannt bin, wie wir in einigen Jahren entscheiden (weil wir das genau dann mache, nach Betrachtung des Kindes und Einholung von Meinungen unserer tollen Erzierherinnen). Wir sind erst in den Kindergarten gestartet. Bei uns wäre tatsächlich, da ja fast sechs bzw. sonst fast sieben die Phase zwischen 5 und 6 noch vor der Schule. Dass das so ein großer Sprung ist, wusste ich noch gar nicht.

    Was mir gerade nur aufgefallen war und das hast du im Einschulungspost, glaub ich, auch angesprochen: Ich wüsste tatsächlich nicht, welche Tochter älter oder jünger ist bzw. würde die falsche Variante tippen 🙂

    • Reply
      Carolin Schubert
      26. Januar 2018 at 8:41

      Hihi, ja, das liegt daran, dass die Jüngere ihre ältere Schwester größentechnisch überholt hat ;-). Und zehn Monate sind dann insgesamt doch zu wenig, um von außen einen Unterschied festzustellen. Ich glaube, man sollte sich auf gar keinen Fall Stress machen. Bis Ihr so weit seid, dauert es ja auch noch und bis dahin muss man eh sehen, wie sich das Kind entwickelt!

    Hinterlasse einen Kommentar