Bekenntnisse einer Durchschnitts-Mutter

Ich muss es gestehen, ich habe noch nie einen Erziehungsratgeber gelesen. Weder einen allgemeinen, noch einen besonderen. Nichts über Frühförderung oder die besten Tipps zum Umgang mit der Trotzphase; kein Stufenprogramm zum stressfreien Trocken werden, Einschlafen oder Durchschlafen. Ich habe keine Elternzeitschriften abonniert und mir noch nie ein Exemplar gekauft. Ich war in keinem Pekip-Kurs, nie zum Babyschwimmen, habe keinen Spielkreis und keine Krabbelgruppe besucht und mich nie in ein Elterncafé gesetzt. Ich habe meine Kinder nicht bekommen, nachdem ich finanziell abgesichert war, ein Haus gebaut oder vorher Karriere gemacht habe. Ich bin keine Vollzeit-Hausfrau und auch ziemlich schlecht darin, meine Kinder den ganzen Tag um mich zu haben. Aber ich vermisse sie, sobald sie auch nur eine Stunde von mir getrennt sind.
Ich habe für meinen Sohn ausschließlich fertig zubereiteten Brei in Gläschen gekauft, meiner älteren Tochter dafür alles selbst zubereitet – das Meiste davon aus dem Bio-Laden um die Ecke. Mein jüngstes Kind hat, bis es zehn Monate war, nichts anderes als Pre-Milch bekommen. Ach ja, ich habe bei allen drei Kindern an einer Still-Depression gelitten. 
Wir haben keinen Fernseher, meine Kinder haben noch nie einen Kinofilm gesehen, noch nicht mal einen Disney-Film auf DVD. Sie spielen mit Prinzessinnenschlössern von Playmobil, Holzsteinen, Action-Figuren, Handtüchern und Tupperdosen – ach ja, und miteinander. Mein dreijähriges Kind weiß sehr genau, wo man auf Papas Handy klicken und wischen muss, um die Bilder und Videos von sich und ihren Geschwistern anzuschauen und wie das Lego-Handyspiel funktioniert. Mein Sohn erfindet komplizierte Roboter und auch hin und wieder mal gefährliche Geheimwaffen, um eventuelle Bösewichte zur Strecke zu bringen. Manche Folgen von Shaun das Schaf oder Mickey Maus Wunderhaus muss ich jedoch vorspulen – zu spannend! Bücher sind bei uns überall erlaubt und notwendig. Auf dem Sofa, im Flur, auf dem Badewannenvorleger oder auf der Toilette, am Tisch, im Bett.
Ich muss es gestehen, ich habe schon sehr viel geweint, im allgemeinen oder auch besonderen. Weil sich mein Kind nicht von mir trösten lassen wollte, weil wir uns gestritten haben oder ich am Ende meiner Kräfte war. Ich habe auch schon sehr viel geschrieen. Und mich hinterher dafür entschuldigt. Ich sage zu oft Scheiße. Und werde dann von meinen Kindern gerügt. Ich muss meine Kinder küssen. Und umarmen. Ständig und überall, auch, wenn sie keine Lust darauf haben. Ich kann es überhaupt nicht ausstehen, wenn am Tisch mit Essen gespielt wird. Und ich verstehe vollkommen, warum man unterwegs immer etwas essen muss. Wenn meine Kinder leiden, habe ich Schmerzen und wenn sie glücklich sind, bin ich es auch. Zutiefst.
Ich habe immer Angst, dass ihnen was passiert und ich sie verlieren könnte, dass ich nicht genug aufpasse. Und manchmal wünsche ich mir nichts sehnlicher als eine einsame Insel. Und Ruhe.
Ich bin eine ziemlich normale und durchschnittliche Mutter. Die –  während sie diesen Text hier schreibt – Bücher in ihren Online-Warenkorb legt; darüber, was unsere Kinder brauchen. Und was nicht. Mütter, die unglücklich sind. Oder nicht sie selber. Oder die vergessen, dass ihre Kinder Kinder sind. Zum Beispiel.
[Anlass für dieses Post gab der Jersey Wild Wild West, den ich im Rahmen meiner Zusammenarbeit mit bzw. für lillestoff vernäht habe.]
  1. Danke! Sehr schön und ehrlich geschrieben.
    Ich finde mich in einigem wieder.

    Viele Grüße, Katharina

  2. hallo! mein name ist kathrin und mir geht es genauso. so oder so ähnlich. danke für die offenen worte. ich habe mich sehr darin gefunden. es ist mühsam, anstrengend, zum haare raufen, erschöpfend, unendlich intensiv, schön, aufregend und so wunderschön. ich klopf uns allen auf die schulter (das musste ich auf die harte tour lernen, das man das machen darf!) ich drück dich!
    lg kathrin

  3. Was für ein schöner Text, meine Liebe… und ich brauche auch Ruheinseln. Hab ich viel zu selten und ich brauche sie SEHR. Zum Sammeln. Zum Konzentrieren. Zum einfach-mal-alleine-sein. Und wenn ich dann mal eine habe, so eine Ruheinsel, dann vermisse ich die beiden nach kurzer Zeit so sehr, dass ich das Bedürfnis nach Ruhe plötzlich selber nicht mehr nachvollziehen kann. Verrückt, oder? Mütter eben… wir sind halt doch alle gleich…

  4. snief… so wundervoll geschrieben und ich bin da ganz bei dir und ich bin immer wieder froh zu lesen, dass es nicht nur mir so geht♥ ich find das toll, dass du das hier so gepostet hast, das macht bestimmt vielen müttern mut, die öfters mal verzweifeln an den aufgaben, die unsere kinder uns tagtäglich stellen.. glg andrea

  5. *hach* Und bei mir ist alles ganz anders. Fast. Ja, nur fast. Nur in den äußeren Dingen.
    Lieben Gruß, Smila

  6. Ich mag deinen Blog sehr. Du sprichst mir oftmals aus dem Herzen 🙂

    LG Simone

  7. WAAAAAS???!!! :-O :-O :-O Kein PEKiP und kein Babyschwimmen und GLÄÄÄÄSCHEEEN!!!??? Ja bist Du denn verrückt???!!! *diehändeüberdemkopfzusammenschlag* Mensch, Caro! Das kannst Du doch nicht machen!!! Deine armen Kinder!!! Und nen Fernseher haben sie auch nicht?! *heeeuuul*

    😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀 😀

    Ich lach mich schlapp!!! 😀

    Weißte was? Ich glaub ja, für Deine Kinder bist Du die allerbeste Mami der ganzen Welt!! <3 <3 <3 Und genau SO soll das sein! *diedaumensindjetztgaaanzweitoben* 😀

    Ich drück Dich für diesen sauschönalltäglichen Post! :-*

    Liebste Grüße!
    Sanni (c:

  8. Auch Mütter dürfen schreien, weinen, lautsein und vor sich hinschimpfen, das wäre ja sonst nicht authentisch (womit wir wieder beim Thema wären 😉 ) Genau das ist es doch, was die Kinder brauchen – ehrliche, liebevolle Erwachsene, die um sie sind und ihnen Wärme und Geborgenheit schenken! Und wenn du deine Kinder fragst, bist du mit Sicherheit keine langweilige Durchschnittsmutter, sonst die (für sie) Beste!

    Falls du doch mal was zur Mütterlichen Fortbildung brauchst, hätte ich einen (keinen Buch-) Tipp für dich 😉

  9. Ja, ja und nochmals ja 😉

  10. Sehr schön geschrieben! Vielen Dank für diese ehrlichen Worte und jeder der sagt, dass es bei ihm nicht auch so ist, wenigstens ab und an mal, da fällt es mir schwer zu glauben.
    LG Anna

  11. Ich möchte wissen, wieviele Mütter nach den ersten beiden Absätzen hochstehende Nackenhaare hatten 😀 😀 Ich finde es wunderbar. Normal. Entspannt. Liebend und genau richtig für eine perfekt umperfekte Mutter ***

    LG Anja

  12. DANKE! Könnte ich sein. Aber mit weniger Kindern 😉

    LG
    Karo

  13. OH MY SOULMATE!!!!! ich freu mich immer noch so sehr auf unser erstes Treffen – wann immer es sein wird, es wird so lustig und anregend werden!!!! Hätte von mir sein können! Auf den Unperfektionismus und die Mutterliebe und und und….
    Ach kann ich mich aufregen, wenn beim Essen rumgesaut wird…. 😉 Herrlich ;-))))
    Liebe Grüße Martina.

  14. Danke für den schönen Post. Ich habe mich erkannt gefühlt. Irgendwie schön, dass es auch wo anders nicht so ganz perfekte Mütter gibt, die nichts destotrotz ihre Kinder lieben.
    Ganz liebe Grüße, Janina

  15. Ich schick dir einen fetten Knutscher! Für diesen Post, für diese Worte, für die tollen Bilder. Keine kann so schön (be)schreiben wie du! Liebste Grüsse Danie

  16. Ich finde, das klingt nach einer authentischen, liebevollen und wertschätzenden Mutter und ihrer Familie – wie schön!
    Viele Grüße
    Antje

  17. Daaaanke Für Deinen offenen, ehrlichen Worte! Ich bin sehr gerührt, habe geschmunzelt und zwei kleine Tränen verdrückt.
    Wie wunderbar….
    Ich umarme Dich!
    LG
    Vera

  18. Sehr sympathisch!
    Mal keine übermenschliche super organisierte immer perfekt gestylte Mutter die ihre Kinder mit einem einzigen Blick im Griff hat und nebenbei im schöner wohnen Heim die angesagtesten Kindergeburtstage organisiert!
    LG Janine

  19. Jaaaa ich fühle mich definitiv besser jetzt!Ich war auch nie in einem einzigen Kurs.Ich habe auch Gläschen gekauft und auch wir haben keinen Fernseher!Wir vermissen ihn auch wirklich nicht!!!😏
    Danke für diese wunderbaren ehrlichen Worte!
    Dann bin ich sehr beruhigt und muss mir keine Gedanken machen, vielleicht doch keine so "schlechte" Mutter zu sein:-D:-D

    Liebste grüße
    Sina❤

  20. Liebe Caro,
    du sprichst mir aus der Seele!

    Alles Liebe, Diana

  21. Wenn auch schon ein bisschen her, aber so ein toller Beitrag!
    Echt, vielen vielen Dank, dass es Menschen wie euch gibt, die so ticken!
    Bei uns gibt es auch kein Fernsehprogramm (ich wüsste nichtmal, wo der Anschluss dafür ist…) aber ganz viele Bücher. Wir erlauben kein stundenlanges Gezocke aber dafür lange Wanderungen im Wald.
    Eben so gar nicht mainstream und damit vielleicht für viele etwas hinterwäldlerisch.
    Aber so passt es bei uns eben.
    Schön zu lesen, dass es ähnliche Familien gibt 😉
    GLG
    Kathi

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